Richter

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Richter

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Rich|ter ['r…™√ßt…ź], der; -s, -, Rich|te|rin ['r…™√ßt…ôr…™n], die; -, -nen:
Person, die die Rechtsprechung aus√ľbt, √ľber jmdn., etwas gerichtliche Entscheidungen trifft:
die Richterin ließ Milde walten.
Zus.: Einzelrichter, Einzelrichterin, Jugendrichter, Jugendrichterin, Untersuchungsrichter, Untersuchungsrichterin, Verfassungsrichter, Verfassungsrichterin.

* * *

RiŐ£ch|ter ‚Ć©m. 3‚Ć™
1. ‚Ć©i.¬†w.¬†S.‚Ć™ jmd., der √ľber etwas od. jmdn. richtet
2. ‚Ć©i.¬†e.¬†S.‚Ć™ mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten vom Staat bevollm√§chtigter Beamter
3. ‚Ć©Pl.; nach bibl. √úberlieferung‚Ć™ Stammeshelden u. zeitweise Regenten der Israeliten zwischen der Landnahme u. der Einsetzung des K√∂nigtums
4. ‚Ć©El.; kurz f√ľr‚Ć™
‚óŹ das Buch der \Richter √ľber die Geschichte der Richter berichtender Teil des AT; wo kein Kl√§ger ist, da ist auch kein \Richter ‚Ć©Sprichw.‚Ć™; ein \Richter soll zwei gleiche Ohren haben ‚Ć©Sprichw.‚Ć™ er soll beide Parteien unparteiisch anh√∂ren, damit er ihnen gerecht werden kann; ein gerechter, milder, strenger, ungerechter, weiser \Richter; der h√∂chste \Richter Gott; er entzog sich dem irdischen \Richter durch Selbstmord; er wird bald vor dem letzten \Richter stehen ‚Ć©poet.‚Ć™ vor Gott, er wird bald sterben; jmdn. od. etwas vor den \Richter bringen; jmdn. zum \Richter bestellen; man soll sich nicht zum \Richter √ľber seine Mitmenschen aufwerfen, machen [<ahd. rihtari; ‚Üí richten]

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RiŐ£ch|ter , der; -s, - [mhd. rihter, riht√¶re, ahd. rihtaŐĄri]:
1. jmd., der die Rechtsprechung aus√ľbt, der vom Staat mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten beauftragt ist:
R. [am Landgericht, am Bundesgerichtshof] sein;
einen R. als befangen ablehnen;
jmdn. vor den R. bringen (vor Gericht stellen);
jmdn. zum R. bestellen, ernennen, wählen;
√ú sich zum R. √ľber jmdn., etw. aufwerfen (absch√§tzig √ľber jmdn., etw. urteilen).
2. <Pl.> Buch des Alten Testaments.

* * *

I
Richter,
 
unabh√§ngiges Organ der Rechtspflege, durch das der Staat oder ein anderer Hoheitstr√§ger seine Recht sprechende Gewalt aus√ľbt.
 
 
In Deutschland ist der Richter nicht Beamter, sondern steht in einem besonderen √∂ffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverh√§ltnis zum Staat (Richterverh√§ltnis). Dies wird durch das Deutsche Richtergesetz (DRiG) in der Fassung vom 19. 4. 1972 und die Richtergesetze der L√§nder zum Ausdruck gebracht. Richter sind sachlich und pers√∂nlich unabh√§ngig und nur an das Recht gebunden (Art. 97 Absatz 1 GG). Sachliche Unabh√§ngigkeit bedeutet, dass ihnen weder allgemein noch im Einzelfall hinsichtlich ihrer richterlichen T√§tigkeit Weisungen erteilt werden d√ľrfen. Ma√ünahmen der Dienstaufsicht unterliegt ein Richter nur insoweit, als sie seine Unabh√§ngigkeit nicht beeintr√§chtigen (¬ß 26 Absatz 1 DRiG). Er kann gegen solche Ma√ünahmen das Dienstgericht anrufen. Die pers√∂nliche Unabh√§ngigkeit, die in vollem Umfang nur Richter auf Lebenszeit und Richter auf Zeit gew√§hrt ist, √§u√üert sich in der Unabsetzbarkeit durch Exekutive oder Legislative und in dem Verbot, Richter gegen ihren Willen zu versetzen. Das Dienstverh√§ltnis kann nur durch eine gerichtliche Entscheidung beendet werden, u. a. zwingend bei Verurteilung des Richters zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Ein Richter auf Probe kann auch bei mangelnder Eignung entlassen werden. Ein Richter darf, von engen Ausnahmen abgesehen, nicht zugleich einer der anderen Staatsgewalten (Legislative oder Exekutive, Gewaltenteilung) angeh√∂ren.
 
 
Die Recht sprechende Gewalt wird durch Berufsrichter und ehrenamtliche Richter ausge√ľbt. Die Bef√§higung zum Amt des Berufsrichters wird nach ¬ß 5 DRiG durch Ablegung zweier staatlicher Pr√ľfungen erlangt. Der ersten geht ein rechtswissenschaftliches Studium voraus, der zweiten ein praktischer Vorbereitungsdienst (Referendariat). Voraussetzung f√ľr die Berufung sind ferner die deutsche Staatsangeh√∂rigkeit und die Gew√§hr, dass die Bewerber jederzeit f√ľr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinn des GG eintreten. Die Berufsrichter werden in der Regel auf Lebenszeit ernannt (zum Teil nach vorangegangener Wahl, Richterwahl), nachdem sie mindestens drei Jahre als ¬ĽRichter auf Probe¬ę oder als ¬ĽRichter kraft Auftrags¬ę t√§tig waren. Eine Ernennung zum Richter auf Zeit ist nur f√ľr gesetzlich festgelegte Aufgaben zul√§ssig; Richter auf Lebenszeit und Richter auf Zeit f√ľhren die Amtsbezeichnung ¬ĽRichter am. ..¬ę mit einem das Gericht betreffenden Zusatz (z. B. Richter am OLG); Richter auf Probe f√ľhren die zusatzlose Bezeichnung ¬ĽRichter¬ę.
 
Der unabh√§ngigen Stellung des Richters entsprechen besondere Pflichten, die im Richtereid (¬ß 38 DRiG) zum Ausdruck kommen. Der Richter hat sich innerhalb und au√üerhalb seines Amtes, auch bei politischen Bet√§tigungen, so zu verhalten, dass das Vertrauen in seine Unabh√§ngigkeit nicht gef√§hrdet wird. Richter m√ľssen √ľber die Beratungen und Abstimmungen Stillschweigen bewahren; Richter des Bundesverfassungsgerichts k√∂nnen der Entscheidung aber abweichende Voten anf√ľgen (Dissenting Opinion). F√ľr die Richter bestehen in Bund und L√§ndern besondere Dienstgerichte (Richterdienstgerichte), die in Disziplinarsachen, √ľber Versetzungen im Interesse der Rechtspflege, √ľber Nichtigkeit und R√ľcknahme einer Ernennung, die Entlassung, Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunf√§higkeit und bei Anfechtung bestimmter dienstrechtlicher Ma√ünahmen und Anordnungen entscheiden. √Ąhnlich dem Personalvertretungsrecht gibt es bei den Gerichten des Bundes und der L√§nder Richtervertretungen (Richterr√§te), die mit beschr√§nkten Beteiligungsrechten ausgestattet sind. Daneben gibt es Pr√§sidialr√§te.
 
 
Die Richter und Staatsanw√§lte Deutschlands sind auf freiwilliger Basis zum Teil im ¬ĽDeutschen Richterbund¬ę zusammengeschlossen, einem Dachverband, den seine Landesverb√§nde bilden. Daneben existieren andere Fachverb√§nde (z. B. der Bund Deutscher Sozialrichter).
 
In der DDR wurde die Justiz schon fr√ľhzeitig zu einem Herrschaftsinstrument der SED umgebildet und die Unabh√§ngigkeit der Richter beseitigt. Voraussetzung f√ľr das Amt des Richters war ein Mindestalter von 25 Jahren, juristische Ausbildung und politische Zuverl√§ssigkeit. Seit dem Beitritt gilt das DRiG mit Ma√ügaben auch in den neuen L√§ndern. Die Richter der DDR wurden nach der Vereinigung von besonders gebildeten Richterwahlaussch√ľssen auf ihre fachliche und pers√∂nliche Eignung √ľberpr√ľft und bei positivem Ergebnis dem zust√§ndigen Landesjustizminister zur Ernennung zum Richter auf Zeit oder auf Probe vorgeschlagen. Die Richter auf Probe konnten nach drei Jahren richterlicher T√§tigkeit zum Richter auf Lebenszeit ernannt werden. Soweit sich der Richterwahlausschuss gegen eine √úbernahme aussprach, schieden die betroffenen Richter sofort aus dem Richterverh√§ltnis aus.
 
Außerhalb des staatlichen Bereichs können aufgrund von Parteivereinbarungen Streitigkeiten von Schieds- Richtern (Schiedsgerichtsbarkeit) entschieden werden.
 
Die Stellung der Richter von Gerichten √ľbernationaler Zust√§ndigkeit, z. B. des Gerichtshofs der EG in Luxemburg (EuGH) oder des Europ√§ischen Gerichtshofs f√ľr Menschenrechte in Stra√üburg, ist in v√∂lkerrechtlichen Vertr√§gen geregelt.
 
In √Ėsterreich werden die beamteten (Berufs-)Richter auf Vorschlag der Bundesregierung vom Bundespr√§sidenten oder aufgrund dessen Erm√§chtigung vom zust√§ndigen Bundesminister ernannt (Art. 86 Bundesverfassung). F√ľr alle Richterposten sind - nicht bindende - Besetzungsvorschl√§ge der hierzu berufenen Personalsenate einzuholen. Die n√§heren Bestimmungen √ľber das Dienstrecht der beamteten Richter und Richteramtsanw√§rter enth√§lt das Richterdienstgesetz 1961. Schon die Bundesverfassung sichert den Richtern bei Aus√ľbung ihres Richteramtes Unabh√§ngigkeit, Unabsetzbarkeit und Unversetzbarkeit zu. - In der Schweiz werden die Richter der kantonalen Gerichte vom Volk oder vom Kantonsparlament, die Richter der eidgen√∂ssischen Gerichte von der Bundesversammlung gew√§hlt. Nach Ablauf der Amtsperiode von in der Regel vier oder sechs Jahren m√ľssen die Richter best√§tigt werden. In kantonalen Gerichten k√∂nnen auch Laienrichter t√§tig sein, zu vollamtlichen Richtern werden heute nur noch ausgebildete Juristen gew√§hlt; eine juristische Ausbildung wird auch f√ľr die eidgen√∂ssischen Gerichte faktisch vorausgesetzt. Bei den Richterwahlen sowohl ins Bundesgericht als auch in die kantonalen Gerichte wird f√ľr die Zusammensetzung auf die St√§rke der politischen Parteien R√ľcksicht genommen.
 
 
H. Grimm: Richterl. Unabhängigkeit u. Dienstaufsicht in der Rechtsprechung des BGH (1972);
¬†F. Matter: Der R. u. seine Auswahl (Z√ľrich 1978);
 E. Teubner: Die Bestellung zum Berufs-R. in Bund u. Ländern (1984);
 P. Quart: Umfang u. Grenzen polit. Betätigungsfreiheit des R. (1990);
 G. u. J. Schmidt-Räntsch: Dt. Richtergesetz (51995).
 
II
Richter,
 
im Alten Testament die zw√∂lf Hauptgestalten, von denen das biblische Buch der Richter (Abk√ľrzung Ri.) handelt. Zu unterscheiden sind die ¬ĽKleinen Richter¬ę (Richter 10, 1-5; 12, 8-15), Amtstr√§ger des Rechtswesens, von den ¬ĽGro√üen Richter¬ę, charismatischen Heerf√ľhrern einzelner israelitischer St√§mme oder St√§mmegruppen in vork√∂niglicher Zeit. Von den Letzteren erz√§hlen die Heldensagen des Richterbuches (Otniel, Ehud, Schamgar, Debora und Barak, Gideon, Jiftach, Simson), die die deuteronomistische Geschichtsschreibung in das Geschichtskonzept eines in dieser Zeit immer wiederkehrenden Wechsels von Abfall, Strafe, Bu√üe und Errettung Israels eingebettet hat (Richter 2, 6-3,6). Das Buch der Richter enth√§lt dar√ľber hinaus einen Landnahmebericht (Richter 1, 1-2,5), die Geschichtserz√§hlung vom Staatenbildungsversuch des Abimelech (Richter 9) sowie Stammes√ľberlieferungen von Dan (Richter 17-18) und Benjamin (Richter 19-21).
 
 
W. Richter: Traditionsgeschichtl. Unterss. zum R.-Buch (21966);
 J. A. Soggin: Judges. A commentary (a. d. Ital., Philadelphia, Pa., 1981);
 
Das A. T. dt., hg. v. O. Kaiser u. a., Teilbd. 9: Die B√ľcher Josua, R., Ruth, √ľbers. v. H. W. Hertzberg (61985);
 U. Becker: Richterzeit u. Königtum. Redaktionsgeschichtl. Studien zum Richterbuch (1990).
 
III
RiŐ£chter,
 
1) Adrian Ludwig, Maler, Zeichner und Illustrator, * Dresden 28. 9. 1803, ‚úĚ ebenda 19. 6. 1884; war Sch√ľler seines Vaters, des Kupferstechers Carl August Richter (* 1770, ‚úĚ 1848); wurde 1823-26 in Italien zum Maler ausgebildet und dort v. a. von J. A. Koch beeinflusst. 1828-35 war Richter Zeichenlehrer an der Porzellanmanufaktur in Mei√üen, 1836-71 Professor f√ľr Landschaftsmalerei an der Dresdener Akademie. Zu den bekanntesten Gem√§lden Richters z√§hlen ¬ĽDer Watzmann¬ę (1824; M√ľnchen, Neue Pinakothek), ¬Ľ√úberfahrt am Schreckenstein¬ę (1837; Dresden, Gem√§ldegalerie) und ¬ĽGenoveva¬ę (1841; Hamburg, Kunsthalle). Die Verbindung zu dem Verleger Georg Wigand (* 1808, ‚úĚ 1858; Auftr√§ge f√ľr Buchillustrationen, rd. 150 B√ľcher mit √ľber 2 000 Holzschnitten) f√ľhrte seit 1838 zur Entfaltung seiner zeichnerischen Begabung, bedeutend im Fig√ľrlichen wie in der Landschaft und der Arabeske. In Vorzeichnungen f√ľr Holzschnitte und Lithographien, auch in frei komponierten Sammelwerken, entstand eine reiche, biedermeierliche Bildwelt volkst√ľmlichen Charakters.
 
 
L. R.s Hausbuch. Musik u. Poesie in seiner Zeit, bearb. v. M. Jenewein (Innsbruck 1990);
 H. J. Neidhardt: L. R. (Neuausg. 1995).
 
¬†2) ['r…™kt…ô], Burton, amerikanischer Physiker, * New York 22. 3. 1931; ab 1968 Professor an der Stanford University und am Stanford Linear Accelerator Center in Stanford (Calif.); baute dort den ersten Speicherring f√ľr Elektronen und war nach 1961 ma√ügeblich am Aufbau des gro√üen Elektron-Positron-Speicherrings (SPEAR) beteiligt. Richter und seine Mitarbeiter entdeckten 1974 - unabh√§ngig von S. C. C. Ting - mit dieser Anlage bei Zusammenst√∂√üen von Elektronen und Positronen sehr hoher Energie ein neuartiges Elementarteilchen, das Psiteilchen. F√ľr diese Entdeckung erhielten Richter und Ting 1976 den Nobelpreis f√ľr Physik.
 
¬†3) ['r…™kt…ô], Charles Francis, amerikanischer Seismologe, * Hamilton (Ohio) 26. 4. 1900, ‚úĚ Pasadena (Calif.) 30. 9. 1985; 1927-70 Professor am California Institute for Technology in Pasadena; arbeitete √ľber Erdbeben und den inneren Aufbau der Erde; stellte 1935 die Richter-Skala auf.
 
¬†4) Eugen, Politiker, * D√ľsseldorf 30. 7. 1838, ‚úĚ Lichterfelde (heute zu Berlin) 10. 3. 1906; Jurist; geh√∂rte als Linksliberaler seit 1867 dem Reichstag, seit 1869 auch dem preu√üischen Abgeordnetenhaus an. Er war der einflussreichste F√ľhrer der Deutschen Fortschrittspartei, seit 1884 der Deutschfreisinnigen, seit 1893 der Freisinnigen Volkspartei; widersetzte sich st√§ndig der Realpolitik O. von Bismarcks und der Nationalliberalen.
 
¬†5) Franz Xaver (FrantiŇ°ek), b√∂hmischer Komponist, * wohl Holleschau (bei Prerau) 1. 12. 1709, ‚úĚ Stra√üburg 12. 9. 1789; wirkte seit 1740 als Vizekapellmeister in der Kapelle des F√ľrstabtes von Kempten, wurde 1747 Violinist und S√§nger (Bass), sp√§ter Kammerkomponist in der Kurpf√§lzischen Hofkapelle von Mannheim und 1769 Kapellmeister am Stra√üburger M√ľnster. Richter ist einer der Hauptvertreter der Mannheimer Schule. W√§hrend die instrumentalen Kompositionen √ľberwiegend in seiner Mannheimer Zeit entstanden (rd. 80 Sinfonien, sechs Klavierkonzerte, sechs Streichquartette, sechs Solosonaten f√ľr Fl√∂te oder Violine und Basso continuo u. a.), geh√∂ren seine Vokalwerke (30 Messen, drei Requien, 18 Psalmen und Cantica, 43 Motetten und Kantaten, zwei Tedeums u. a.) bis auf zwei Oratorien (1748 und 1762; Musik verloren) seiner Stra√üburger Periode an.
 
¬†6) Gerhard, Maler und Grafiker, * Dresden 19. 2. 1932; wurde 1971 als Professor an die Kunstakademie in D√ľsseldorf berufen. Richter malte ab 1964 nach fotografischen Vorlagen Bilder in verwischten Graut√∂nen, die das Prinzip ¬ĽAbbildung¬ę reflektieren. 1966 folgten Farbtafeln nach dem Vorbild von Farbmusterkarten. Gegen Ende der 60er-Jahre entstanden wiederum nach Fotovorlagen Serien mit Stadt- und Landschaftsmotiven, sp√§ter gestaltete er mittels pastosem Farbauftrag effektvolle abstrakte Kompositionen. Der ebenfalls nach Fotografien gemalte Zyklus ¬Ľ18. Oktober 1977¬ę (1988; seit 1995 im Besitz des Museum of Modern Art, New York) thematisiert den Tod der RAF-H√§ftlinge in Stuttgart-Stammheim.
 
 
G. R. Bilder 1962-1985, hg. v. J. Harten, Ausst.-Kat. (1986);
 
G. R., bearb. v. A. Thill u. a. Ausst.-Kat. Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, u. a., 3 Bde. (1993);
 
G. R., Atlas der Fotos, Collagen u. Skizzen, hg. v. H. Friedel u. U. Wilmes, Ausst.-Kat. Lenbachhaus, M√ľnchen (1997).
 
¬†7) ['r…™kt…ô], Gisela Maria Augusta, amerikanische Arch√§ologin, * London 15. 8. 1882, ‚úĚ Rom 24. 12. 1972; wesentlich beteiligt am Aufbau der Antikenabteilung (Direktorin 1925-48) des Metropolitan Museum, New York. Herausgeberin des ¬ĽAmerican Journal of Archaeology¬ę.
 
Werke: Handbook of Greek art (1959; deutsch Handbuch der griechischen Kunst); The engraved gems of the Greeks, Etruscans and Romans, 2 Bände (1968-71).
 
¬†8) Hans (J√°nos), Dirigent, * Raab 4. 4. 1843, ‚úĚ Bayreuth 5. 12. 1916; studierte u. a. bei S. Sechter, war Chordirektor und Kapellmeister an der M√ľnchner Hofoper (ab 1867), Chefdirigent am Nationaltheater in Pest (1871-75), Kapellmeister der Wiener Hofoper (1875-99; 1893-97 Musikdirektor) sowie Dirigent der Philharmonischen Konzerte (1875-82 und 1883-98) und Konzertdirigent der Gesellschaft der Musikfreunde (1880-90) in Wien. Er leitete 1876 in Bayreuth die erste Auff√ľhrung von R. Wagners Tetralogie ¬ĽDer Ring des Nibelungen¬ę und 1877 (alternierend mit Wagner) Wagner-Konzerte in London, 1903-10 die Wagner-Auff√ľhrungen an der dortigen Covent Garden Opera, 1879-97 die (sp√§ter ¬ĽRichter Concerts¬ę genannt) ¬ĽOrchestral Festival Concerts¬ę in London, 1885-1909 Musikfestspiele in Birmingham und 1899-1911 die Konzerte des Hall√© Orchestra in Manchester; 1904-11 war er Chefdirigent des London Symphony Orchestra. Richter, dessen Schwerpunkt das deutsche Repertoire bildete, leitete u. a. die Urauff√ľhrungen von Sinfonien J. Brahms' und A. Bruckners.
 
¬†9) Hans, Maler und Filmk√ľnstler, * Berlin 6. 4. 1888, ‚úĚ Minusio (bei Locarno) 1. 2. 1976. Richter stand zun√§chst Kubismus und Expressionismus nahe und schloss sich 1916 in Z√ľrich den Dadaisten an. √úber Zeichnungsfolgen, die ein Thema in verschiedenen Zeitphasen festhalten (¬ĽRollen¬ę), kam er 1921 zum experimentellen Film (Zusammenarbeit mit V. Eggeling), dessen abstrakte Spielart (Film als musikalische Analogie) er als K√ľnstler und Theoretiker wesentlich weiterentwickelte. Richter, der schon in den 30er-Jahren nicht mehr in Deutschland arbeitete, emigrierte 1941 in die USA, wo unter seiner Regie der surrealistische Film ¬ĽTr√§ume zu verkaufen¬ę (1947, mit M. Ernst, F. L√©ger, M. Ray, M. Duchamp und A. Calder) entstand. Seine Malerei und seine meisten Filme tendieren zu einem konstruktivistischen Formenrepertoire, das auf der Grundlage grafischer Positiv- und Negativwerte aufgebaut ist.
 
 
Weitere Filme: Rhythmus 21, 23, 25 (1921-25); Filmstudie (1926); Vormittags-Spuk (1928); Thirty years of experiment (1951, eine Sammlung von Experimentalfilmen; 1961 unter dem Titel 40 years experiment); 8 √ó 8 (1957); Alexander Calder (1962).
 
Schriften: Dada Profile (1961); Dada - Kunst und Antikunst (1964); H. Richter by H. Richter (1971).
 
 
H. R. 1888-1976, Dadaist, Filmpionier, Maler, Theoretiker, bearb. v. B. Volkmann u. a., Ausst.-Kat. (1982);
 G. Hossmann: H. R. 1888-1976. Das bildner. Werk (Diss. Köln 1985);
 
H. R. Malerei u. Film, Ausst.-Kat. (1989).
 
¬†10) Hans Theo, Zeichner und Grafiker, * Rochlitz 7. 8. 1902, ‚úĚ Dresden 14. 9. 1969; war 1947-67 Professor an der Hochschule f√ľr Bildende K√ľnste in Dresden. Er bevorzugte Einzelfigur- und Doppelfigurmotive (z. B. Trinkende, Mutter und Kind, Geschwister) f√ľr seine in schlichtem, ruhigem Gestus gehaltenen Darstellungen von Alltagssituationen.
 
¬†11) Hans Werner, Schriftsteller, * Bansin 12. 11. 1908, ‚úĚ M√ľnchen 23. 3. 1993; gab mit A. Andersch 1946/47 die Zeitschrift ¬ĽDer Ruf¬ę heraus; Initiator und Organisator der Gruppe 47 (¬ĽIm Etablissement der Schmetterlinge¬ę, 1986). Schrieb realistische Antikriegsromane (¬ĽDie Geschlagenen¬ę, 1949; ¬ĽSie fielen aus Gottes Hand¬ę, 1951), sp√§ter satirisch-gesellschaftskritische Darstellungen der Nachkriegszeit (¬ĽLinus Fleck oder Der Verlust der W√ľrde¬ę, 1959). Daneben entstanden H√∂rspiele, Reisebeschreibungen und Kinderb√ľcher; Herausgeber von Anthologien.
 
Weitere Werke: Romane und Erzählungen: Spuren im Sand (1953); Du sollst nicht töten (1955); Blinder Alarm (1970); Rose weiß, Rose rot (1971); Die Flucht nach Abanon (1980); Die Stunde der falschen Triumphe (1981); Ein Julitag (1982).
 
Sonstige Prosa: Briefe an einen jungen Sozialisten (1974).
 
Autobiographisches: Reisen durch meine Zeit (1989).
 
Ausgabe: Briefe, herausgegeben von S. Cofalla (1997).
 
 
H. W. R. u. die Gruppe 47, Beitrr. v. W. Jens u. a. (1979);
 E. Embacher: Zum literar. Werk u. zum publizist. Wirken eines engagierten dt. Schriftstellers (1985);
¬†S. Cofalla: Der ¬Ľsoziale Sinn¬ę H. W. R.s (1997).
 
¬†12) Horst-Eberhard, Arzt und Psychoanalytiker, * Berlin 28. 4. 1923; leitete 1952-62 die ¬ĽBeratungs- und Forschungsstelle f√ľr seelische St√∂rungen im Kindesalter¬ę in Berlin-Wedding, 1959-62 das Psychoanalytische Institut Berlin; er war ab 1962 Professor f√ľr Psychosomatik in Gie√üen, ab 1973 Direktor des dortigen Zentrums f√ľr Psychosomatische Medizin (1991 emeritiert). Richter lenkte die Aufmerksamkeit auf die soziale, bei Kindern und Jugendlichen meist famili√§re Bedingtheit seelischer St√∂rungen und bem√ľht sich um die Anwendung psychoanalytischer Verfahren in Familien- und Sozialtherapie. Politisch engagierte er sich auch in der Friedensbewegung (u. a. Mitgr√ľnder der westdeutschen Sektion der Internationalen √Ąrzte f√ľr die Verh√ľtung des Atomkrieges) und als Kritiker der Globalisierung (Mitglied von Attac).
 
Werke: Eltern, Kind und Neurose (1963); Patient Familie (1970); Der Gie√üen-Test (1972, mit D. Beckmann); Die Gruppe (1972); Lernziel Solidarit√§t (1974); Fl√ľchten oder Standhalten (1976); Der Gotteskomplex (1979); Zur Psychologie des Friedens (1982); Die Chance des Gewissens. Erinnerungen und Assoziationen (1986); Bedenken gegen Anpassung. Psychoanalyse und Politik (1995); Wanderer zwischen den Fronten. Gedanken und Erinnerungen (2000); Das Ende der Egomanie. Die Krise des westlichen Bewusstseins (2002).
 
Herausgeber: Russen und Deutsche (1990).
 
¬†13) Jeremias Benjamin, Chemiker, * Hirschberg (heute Jelenia G√≥ra) 10. 3. 1762, ‚úĚ Berlin 4. 5. 1807; arbeitete an der M√ľnze in Breslau, dann in der Berliner Porzellanmanufaktur. Richter untersuchte den Vorgang der Neutralisation und entdeckte die √Ąquivalenz von S√§uren und Basen; er fand die Konstanz der chemischen Verbindungsverh√§ltnisse (Gesetz der √§quivalenten Proportionen) und begr√ľndete die St√∂chiometrie.
 
 14) Johann Paul Friedrich, Schriftsteller, Jean Paul.
 
¬†15) Joseph, Pseudonym F. A. Obermayer, √∂sterreichischer Schriftsteller, * Wien 16. 3. 1749, ‚úĚ ebenda 16. 6. 1813; Herausgeber der als wertvolle kulturhistorische Quelle geltenden satirischen Wochenschrift ¬ĽBriefe eines Eipeldauers an seinen Herrn Vetter in Kakran √ľber d'Wienstadt¬ę (178 Hefte, 1785-1813). Richter schrieb auch Gedichte, Romane, Erz√§hlungen, Satiren und Dramen.
 
¬†16) Karl, Organist und Dirigent, * Plauen 15. 10. 1926, ‚úĚ M√ľnchen 15. 2. 1981; studierte u. a. bei K. Straube und G. Ramin, wurde 1949 Organist an der Thomaskirche in Leipzig, 1951 an der Markuskirche in M√ľnchen, lehrte an der M√ľnchner Musikhochschule und gr√ľndete und leitete den M√ľnchner Bach-Chor und das M√ľnchner Bach-Orchester. Er setzte sich besonders f√ľr eine dynamisch-lebendige Pflege der Musik J. S. Bachs ein.
 
¬†17) Swjatoslaw Teofilowitsch, ukrainischer Pianist, * Schitomir 20. 3. 1915, ‚úĚ Moskau 1. 8. 1997; studierte am Moskauer Konservatorium bei H. Neuhaus. In seinem weit gespannten Repertoire nahmen die deutsche Musik und Werke zeitgen√∂ssischer sowjetischer Komponisten eine zentrale Stelle ein. Er spielte die 6., 7. und die ihm gewidmete 9. Klaviersonate von S. S. Prokofjew bei der Urauff√ľhrung. Richter trat auch als Kammermusiker und Liedbegleiter hervor.
 
¬†18) Trude, eigentlich Erna BaŐ£rnick, Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin, * Magdeburg 19. 11. 1899, ‚úĚ Leipzig 4. 1. 1989; trat 1931 der KPD bei; emigrierte 1934 in die Sowjetunion. Dort 1936 verhaftet, verbrachte sie 20 Jahre in Arbeitslagern und in der Verbannung, wovon sie in den autobiographischen Werken ¬ĽDie Plakette¬ę (1972) und ¬ĽTotgesagt¬ę (1990) berichtet. 1957 R√ľckkehr nach Deutschland auf Vermittlung von Anna Seghers, lebte seither in der DDR; ab 1958 Dozentin am Literaturinstitut J. R. Becher in Leipzig.
 
¬†19) Willi, Gewerkschaftsf√ľhrer, * Frankfurt am Main 1. 10. 1894, ‚úĚ ebenda 27. 11. 1972; war nach 1945 f√ľhrend am Wiederaufbau der Gewerkschaften in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands (v. a. in Hessen) beteiligt; 1949-57 Mitglied des Bundestags (SPD). Seit 1949 Mitglied des Bundesvorstandes, 1956-62 Vorsitzender des DGB.

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RiŐ£ch|ter, der; -s, - [mhd. rihter, riht√¶re, ahd. rihtńĀri]: 1. jmd., der die Rechtsprechung aus√ľbt, der vom Staat mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten beauftragt ist: ein gerechter, milder, strenger, weiser R.; R. [am Landgericht, am Bundesgerichtshof] sein; gesetzlicher R. (Rechtsspr.; f√ľr einen Fall von vornherein zust√§ndiger Richter); vorsitzender R. (Rechtsspr.; bei einem Kollegialgericht mit der Vorbereitung u. Leitung der Verhandlung betrauter Richter); einen R. als befangen ablehnen; jmdn. vor den R. bringen (vor Gericht stellen); Nach etwa dreij√§hriger Untersuchungshaft ... steht er ... zum ersten Mal vor seinen -n (kommt es f√ľr ihn zur ersten Gerichtsverhandlung; Noack, Prozesse 105); jmdn. zum R. bestellen, ernennen, w√§hlen; √ú ganz zu schweigen von den ... K√ľnsten, die von jeher ihre R. (= Kritiker) gefunden haben (Enzensberger, Einzelheiten I, 22); sich zum R. √ľber jmdn., etw. aufwerfen (absch√§tzig √ľber jmdn., etw. urteilen); er wollte nicht jmds. R. sein (√ľber jmdn. urteilen). 2. <Pl.> Buch des Alten Testaments.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:


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